Agile: Überdehnter Ansatz in der Business Analyse?

von Requirements Engineering, Agile Transformation, Business Analyse, e3

Agile Methoden sind offenbar der neue Standard im Projektmanagement. Auch in der Business Analyse trifft Agilität den Nerv der Zeit. Doch hat Agilität die Business Analyse revolutioniert, indem sie Flexibilität und schnelle Anpassungen fördern? Oder läuft der Hype Gefahr, mehr zu versprechen, als er halten kann? Ist das Streben nach Agilität ein visionärer Fortschritt oder ein riskanter Balanceakt, der die Stabilität gefährdet?

Das Konzept der Agilität erlebt derzeit eine bemerkenswerte Popularität. Auf den ersten Blick scheint das agile Vorgehen perfekt die Anforderungen der modernen Arbeitswelt zu erfüllen, die durch schnellen technologischen Wandel, fortschreitende Digitalisierung und die Auflösung traditioneller Unternehmensstrukturen geprägt ist. Auch die Business Analyse wird zunehmend mit agilen Prinzipien konfrontiert und erkundet diese neu. Doch was bedeutet es eigentlich, ein agiler Business Analyst zu sein? Ist dies wirklich erstrebenswert?

«If you always do what you’ve always done, you’ll always get what you’ve always got.»

Henry Ford, Automobil-Pionier

Agilität in der Business Analyse

Gerade in der Business Analyse wird agiles Arbeiten häufig missverstanden, indem angenommen wird, dass Agilität synonym für totale Flexibilität steht. Tatsächlich liegen agilen Methoden wie Scrum klar definierte Frameworks zugrunde. Scrum-Mitbegründer Jeff Sutherland betont: «The real key to the effectiveness of Scrum is the cultural shift to a more transparent and accountable way of working.» Demnach bedeutet Agilität nicht, dass Prozesse beliebig angepasst oder Teammitglieder nach Belieben ausgewechselt werden können. Vielmehr ist es entscheidend, flexibel auf ändernde Kundenbedürfnisse und Rahmenbedingungen zu reagieren, während die kurzen Entwicklungszyklen der agilen Methoden dem Auftraggeber ermöglichen, Anforderungen und Prioritäten zeitnah anzupassen. Dabei sind die Informations-, Austausch- und Entscheidungswege bewusst kurz und strukturiert gehalten.

«Agile does not mean no planning – it means planning at different levels and more frequently.»

Mike Cohn, Buchautor

Herausforderungen in der Umsetzung agiler Methoden in der Business Analyse

Viele Unternehmen kämpfen nach wie vor mit der korrekten Implementierung agiler Ansätze. Folgende Herausforderungen können den agilen Business Analysten beeinträchtigen:

Fehlende Unternehmenskultur: Ein wesentlicher Stolperstein ist oft eine Unternehmenskultur, die agiles Arbeiten nicht ausreichend unterstützt. Klassische und agile Ansätze müssen koexistieren können, was insbesondere die aktive Unterstützung und Förderung durch das Management erfordert. Wenn ein Business Analyst zwar agil arbeiten soll, aber nicht die nötigen Entscheidungs- und Handlungsspielräume erhält, entstehen erhebliche Probleme..

Multi-Methoden-Ansätze: Konzepte wie «agile Wasserfälle» oder «hybride agile Methoden» verdeutlichen die Kombination von agilen und klassischen Methoden. Diese Integration kann für bestimmte Projekte sinnvoll sein, verlangt jedoch eine präzise Abstimmung der Instrumentenauswahl und Vorgehensweisen. Ein Methodenkonflikt zwischen klassischen und agilen Ansätzen ist unbedingt zu vermeiden, um eine erfolgreiche Kombination der Methoden zu ermöglichen.

Fehlende Zeit und Geduld bei der Einführung: Misserfolge gehören zum Lernen und zur Anpassung in agilen Prozessen dazu. Es ist normal, dass agiles Arbeiten in den ersten Iterationen nicht sofort perfekt funktioniert. Jedoch wird den Teams häufig nicht genug Zeit eingeräumt, um eine vollständige «agile Transformation» durchlaufen zu können. Fehlende kurzfristige Erfolge führen oft dazu, dass agile Methoden wieder verworfen werden, bevor sie ihre Vorteile voll entfalten können.

In der Diskussion um Agilität treten oft kontroverse Meinungen auf. Der Buchautor und Software-Entwickler Tom DeMarco warnte: «You can’t control what you can’t measure.» Dies hebt die Bedeutung strukturierter Frameworks in der agilen Arbeit hervor. Gleichzeitig betonte der frühere Apple-CEO Steve Jobs: «It’s not a faith in technology. It’s faith in people.» Dies verdeutlicht, dass trotz ihrer Flexibilität agile Methoden Menschen in den Mittelpunkt stellen und deren Fähigkeiten und Vertrauen betonen sollten.

Fazit: Der Business Analyst versteht die Agilität nicht als überdehnte Allzwecklösung

Ein erfolgreicher Business Analyst muss die feinen Nuancen der Agilität verstehen und in der Lage sein, diese in die Praxis umzusetzen. Agilität sollte nicht als eine überdehnte Allzwecklösung betrachtet werden, sondern als ein System, das klare Frameworks und Strukturen bietet und gleichzeitig Flexibilität und schnelle Anpassungen ermöglicht. Ein tiefes Verständnis und die Bewältigung der Herausforderungen bei der Implementierung agiler Methoden können den entscheidenden Unterschied ausmachen und zur erfolgreichen Transformation in der Business Analyse führen.

«The goal of agile is not to be agile; the goal is to improve project outcomes for teams and stakeholders.»

Scott Ambler, Buchautor

Unter dem Strich hat die agile Entwicklung viele Vorteile, darunter erhöhte Flexibilität, bessere Zusammenarbeit und höhere Qualität des Endprodukts. Jedoch birgt sie auch Risiken, insbesondere potenzielle Budgetüberschreitungen und Widerstände der Belegschaft. Erfahrene Business Analysten können massgeblich zum Erfolg eines Projekts beitragen, indem sie ein agiles Mindset fördern, kontinuierliches Feedback sicherstellen und eng mit allen Beteiligten zusammenarbeiten. Ihre Fähigkeit, Anforderungen schnell und präzise zu erfassen, und Anpassungen vorzunehmen, ist entscheidend, um die vollen Vorteile der agilen Entwicklung zu realisieren und Projekte erfolgreich abzuschliessen.

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